Be-sinnung

Warum riecht es nach Kotze in der U-Bahn? Das ist keine Kotze, dass ist der verdorbene Magengeruch der Weihnachtsmarktbesucher. Jesus hatte die Händler zwar aus dem Tempel vertrieben, sie kommen aber immer wieder, gerade zu Weihnachten. Schlimmer noch, die Tempel gehören Ihnen mittlerweile. Da bleibt keine Zeit für Be-sinnlichkeit. Warum auch das be- angehängt wurde? Wenn etwas keinen Sinn hat, dann muss man einen erfinden, sich also selbst den Sinn geben, sich besinnen. Die Präfigierung ändert hier die Wortbedeutung oder gibt dem Wort einen Sinn wie bei be-steigen, be-samen usw. Passt ja alles gut zum Fest der Liebe, deren Bruder der Hass ist. Da ist jede Sinnfrage obsolet, Liebe ist nämlich einfach so. Und über das Jahr hat sich vor dem Untergang eine ganze Menge davon angestaut, das man zusammen feiern sollte oder besser nicht. Man kann übrigens auch Hass wunderbar in Weihnachtsgeschenken ausdrücken.

Real Life-BDSM

Da geht die Hand schon mal zum Autoradio und dreht die Musik weg, schaltet es ab. Da schaut man schon Mal "Bauer schlägt Frau" statt einen Actionthriller zu sehen oder den "Herrn der Ringe". Und es gibt die ein oder andere öffentliche Zurechtweisung oder es wird die Kleidung des anderen kontrolliert. Herrschaft geht übers Geld und manchmal auch über das Gemüt. Man schaue sich so manches Paar beim gemeinsamen Zwangseinkauf an und man weiß: BDSM ist im Alltag weit verbreitet. Bondage wird eher in der unsichtbar ausgeführt und sadomasochistisch ertragen. Und das alles wird mit viel "Liebe" betrieben. Pathologisch mag man es nennen. So ist der Mensch eben.

Terry Pratchett - Snuff

Sam Vimes ist Commander der Stadtwache von Ankh-Morpork und ein Mensch der Stadt. Vor allem ist er ein Copper, der beste, den Lord Vetinari im Kampf gegen das Verbrechen aufbieten kann. Ihm ist es zu verdanken, dass die Stadt, Schmelztiegel der Rassen, die die Scheibenwelt bevölkern, sicher ist. Die Frau von Sam Vimes ist Lady Sybil und gehört dagegen zum feinen Landadel. Zusammen mit dem Sohn soll endlich der lange ersehnte Familienurlaub auf dem Landsitz der Ramkimschen Familie erfolgen. Dazu erreicht Lady Sybil, dass der besagte Lord Vetinari, Bürgermeister der Stadt, seinen treuen Diener in Urlaub schickt. Sam Vimes fürchtet das Landleben und sucht den Kontakt zu seinen Untertanen. Er will etwas erfahren und gleichzeitig seine Langeweile besiegen. Diese hemdsärmelige Art erzeugt Misstrauen bei den Leuten und dem Adel ist er ohnehin suspekt, da die Vorfahren seiner Familie am Sturz des letzten Königs von Ankh-Morpork beteiligt waren. So kommt es wie es kommen muss, Sam Vimes riecht das Verbrechen förmlich. Als er bei einem Kneipenbesuch den Kopf eines Goblins an der Wand entdeckt, beginnt das Spiel. Der Dorfschmied zeigt sich der Herrschaft gegenüber respektlos und Sam Vimes fordert ihn zu einem Zweikampf heraus, den er natürlich gewinnt. Überhaupt wird viel gekämpft und mit an der Seite von Sam Vimes ist stets Willikins, der Hausdiener von Ramkin Hall, Butler und Mädchen für alles bei Lady Sybil. Ein bad guy im Kampf für das Gute, den man sich wie alle Charaktere im Buch gern selbst ausmalt. Und da ist noch der junge Vimes, der sich für die Exkremente der Tiere interessiert und ausgiebige Nachforschungen auf dem Lande anstellt. Unterstützt wird er dabei von einer Kinderbuchautorin, die bei den Goblins aufgewachsen ist und diesen nun Selbsthilfe im Kampf ums Überleben lehrt. Die Goblins leben in unterirdischen Höhlen und sind in tiefer Depression verfallen. Sie werden vor allem von den Menschen der Scheibenwelt als Plage angesehen, bejagt, getötet oder zur Zwangsarbeit verschleppt. Der Dorfschmied weiß etwas, aber ein Treffen mit ihm kommt nicht zustande. Statt des Dorfschmieds findet Sam Vimes am vereinbarten Treffpunkt am Hangmans Hill nur ein große Blutlache und den abgetrennten Finger eines Goblins. Die Verantwortlichen des Dorfes um Lord Rust schicken den Dorfpolizisten, um Sam Vimes verhaften zu lassen und so unliebsame Nachforschungen zu verhindern. Der Dorfpolizist ist jedoch ein großer Anhänger von Sam Vimes und so fällt es diesem nicht schwer, den jungen Mann auf seine Seite zu bringen. Er ernennt ihn kurzerhand zum Chiefconstable und bringt ihm im Zuge der Nachforschungen die richtige Polizeiarbeit bei. Sam Vimes lernt viel über Goblins, auch dass sie wunderbare Musik machen können, sich einer bildhaften Sprache bedienen und dass ein jeder einen wertvollen pot mit geheimnisvollen Ingredienzien (wie Nasenschleim) für sich selbst herstellt. Vor allem letzteres weckt Begehrlichkeiten. Bald sind jedoch zwei finstere Gestalten gefunden, die nicht nur für den Schmuggel von pots in Tabak verantwortlich sind, sondern im Auftrag von Lord Rust auch für die Entführung des Dorfschmieds und die Verschleppung von Goblins auf einem gekaperten Schiff, dass auf dem Fluss Ankh fährt. Nachdem einer der beiden gefasst ist, presst Vimes diesem den Namen des anderen ab und verhindert die Befreiung durch eine von einem der Anwälte Lord Rusts angeführte Menschenmenge. Vimes wendet das Blatt und schafft es mithilfe des kundigen Chief Constables und eines Goblins namens Stinky das Schiff zu erreichen, wo Stratford, der Serienkiller nun das Kommando hat. Vimes befreit die Goblins, rettet das Schiff trotz eines schweren Sturms (dabei hilft ihm, dass der in der Dunkelheit sehen kann) und ist dabei den Kampf gegen den Serienmörder zu verlieren, als dieser über Bord gespült wird. Das Schiff strandet in Quirn, aber Stratford ist mit den Goblins wieder dabei zu entkommen. Ein anderes Schiff hat den Hafen bereits verlassen, wird von der Polizei geentert. Stratford bleibt verschwunden. Vimes wird nun als König des Flusses Ankh überall geehrt, kehrt zur Ramkin Hall zurück und darf mit samt seiner Familie auf einem besonderen Vergnügungsboot nach Ankh-Morpork fahren. Nun versucht Stratford, den Sohn von Sam Vimes umzubringen, wird aber von diesem gestellt. Bei der Überstellung des Gefangenen ereignet sich jedoch ein Unfall, Stratford tötet einen seiner Bewacher, wird selbst von Willikins im Kampf ausgeschaltet. Auch vor diesem Kampf gibt es die Ansage der Niederlage vorweg. Ende gut, alles gut. Ladys Sybil veranstaltet ein Konzert mit einem hochbegabten Goblinmädchen, zu der alle Patrizier von Ankh-Morpork eingeladen sind. Die Ankh-Morpork Times überschlägt sich in positiver Kritik und spätestens jetzt ist es an Lord Vetinari, für die Gleichstellung der Goblins zur sorgen, die fortan die gleichen Rechte wie alle anderen Rassen der Scheibenwelt bekommen. Die bittere Pille für Sam Vimes ist es, dass Lord Rust und auch sein Sohn nicht gebührend bestraft werden, da es zuvor nicht verboten war, den Goblins etwas anzutun. Lady Sybil jedenfalls wünscht sich nun endgültig einen Familienurlaub. Ob dieser stattfinden wird oder nicht, hängt wohl auch von der Gesundheit des Autors Terry Pratchett ab, dem dieses wunderbare Märchen gelungen ist. Dieser ist, wie er selbst bekannt gegeben hat, an Alzheimer erkrankt. Hoffen wir, dass die „Summoning Dark“ in diesem Fall nicht zu schnell eintritt.

iPadderei

Ein Jahr Erfahrung liegt nun hinter mir als Benutzer des iPad2. Ein Jahr, in dem ich das mir immer schwerer scheinende Teil treu und brav in meiner Tasche herum trage. Das Auspacken unterwegs ist mir eigentlich schon zuviel Aufwand. Vorwand für die Anschaffung des iPads war ein Zeitungsabo. Doch ich muss bis heute feststellen, dass mich das unerschöpfliche Angebot an Apps bis heute davon abhält, meine Zeitung wirklich zu lesen. Die "App des Tages" beginnt mich mehr zu interessieren als die redaktionellen Inhalte der Zeitung. Als Zeitungstext nehme ich das Gelesene ohnehin nicht war. Und meine Zeit und Energie droht im gleichen Verhältnis abzunehmen wie die Lebensdauer des Akku im iPad. Passives Genießen und leider auch der Überfluss an abschaltbaren Push-Mitteilungen scheinen zum Credo der App-Welt zu gehören. Doch was ist nun eigentlich das iPad: als Telefon zu unhandlich, als Laptop zu eingeschränkt ist es eher ein mobiles Surfgerät mit Emailempfang und eine Spielekonsole. Wobei die meisten Spiele nur eingeschränkte grafische Optionen offenbaren. Nicht zu übersehen sind die mangelhaften Möglichkeiten der Synchronisation mit einem herkömmlichen Windows-PC oder Laptop. So lädt das iPad nicht seinen Akku, wenn ich es nicht mit einem Apple-PC oder -Laptop verbunden ist. Und obwohl ich iTunes lästigerweise immer brav auch auf meinem Laptop aktualisiere, synchronisiert sich längst nicht alles. Aber zurück zum Zeitungsabo: sollte ich weider eines wollen, dann nur in gedruckter Form. Nicht wegen der Druckerschwärze, aber wegen der Ruhe, die ich dann beim Zeitungslesen habe werde. Lesen statt Laden, das ist meine Zukunft. Fazit: das Inseldenken von Apple ist out. Dem etwas etwas größeren Touchscreenhandy mit einer vernünftigen Kamera und der Anbindung an alle gängigen Systeme gehört die Zukunft. Wer aktiv arbeiten will, der kommt um einen PC oder Laptop mit Drucker sowieso nicht herum.

Tailgating

ist eine nicht mehr ganz so neue Trendsportart, eher ein Volkssport, den ich Ihnen heute mal vorstellen möchte.Die Ärzte sagen ja immer: Bewegung ist gesund. Ärzte, falls wir uns noch an sie erinnern, das sind diese putzigen Wesen, die meist unverständlich daher reden. Bei denen Du als Kassenpatient schon in der Hotline hängen bleibst und im minimum mal vier Wochen auf die Behandlung einer akuten Erkrankung wartest, nur um nach fünf Minuten entweder zum Röntgen und/oder mit einem Rezept wieder rausgeschmissen zu werden.
Ärzte sind also die Menschen, die schon beim zweiten Besuch nicht mehr wissen, dass Du schon mal da warst und warum sie Dir was verordnet haben. Die ohne ihre Karteikarte völlig aufgeschmissen sind und die garnicht wissen, was ihr Helferinnenpersonal so alles leistet.
Ärzte sehen alles sehr allgemein, weil sie völlig mit Privatpatienten und dem Verkauf ihrer IGEL-Leistungen beansprucht sind. Zudem müssen sie sich Sorgen um die Benutzung der teuren angeschafften Geräte in der Praxis machen, weshalb sie auch oft Praxisgemeinschaften bilden, weil dann alles billiger ist. Und da taucht es schon auf, das Wort „gemein“. Es steckt im Allgemeinen und allgemein ist Bewegung eben gesund. Das is ein Dogma, dass neben anderen in der Schublade eines jeden Kassenarztes liegt. Und nur der Kassenarzt ist ja auch zugelassen. Aber lassen wir das. So wenig, wie man einer Gebetsmühle immer glauben kann, so wenig muss man das mit der Bewegung wörtlich nehmen.
Bewegen muss man sich ja, wenn man ins Auto steigt. Das Tailgating hat aber  noch ganz andere gesundheitliche Aspekte. Es fördert unsere Konzentration und die Kondition ungemein, wenn man, sobald man im Straßenverkehr eine Vordermann oder eine Vorderfrau hat, so dicht auffährt, dass jeder Fehler von einem der Beteiligten zum Unfall führt.
Hier nun also ein paar Tipps zum erfolgreichen Tailgaten (zu deutsch: dem Arsch, pardon dem Verkehrteilnehmer, hinten rein fahren).

 

  1. Sicherheitsabstand: vergessen Sie diesen Quatsch ganz schnell. Das ist was für Schlafmützen mit null Reaktionszeit. So etwas haben Sie als erfolgreicher Tailgater nicht nötig.
  2. Tempolimit: was für Sicherheitsfanatiker, Sie setzen ihr eigenes Limit, wichtig für kleiner Autos und Motorroller ist nur, dass sie ständig Vollgas fahren.
  3. Nötigung: das ist Quatsch, ihre Vorderleute müssen ja einfach nur so schnell fahren wie Sie, dann ist alles in Ordnung. Mit Lichthupe und linkem Blinker zeigen Sie ihre Hilfsbereitschaft.
  4. Kurven/Ampeln etc. können schon mal behindern, müssen es aber nicht. Lassen Sie sich beim erfolgreichen Tailgaten nicht von einer roten Ampel schrecken. So kommen Sie wenigstens mit aufs Bild. Und in Kurven, da kriegen Sie alle, wenn sie drauf halten.
Wenn Sie diese Tipps beherrschen, werden Sie bald von den gesundheitlichen Vorteilen profitieren. Und wenn es doch einmal zu dicht war, denken Sie dran: Bewegung ist gesund.
Sie jedenfalls waren flink, zäh und hart, auch wenn ihr Auto keine 138 PS hatte. Vermutlich war es dann auch kein „guter Stern auf allen Straßen“, sondern nur „Das Auto“. Ihr “Vorsprung durch Technik“ reichte ihrer „Freude am Fahren“ irgendwie nicht das Wasser. Oder ihr Auto ist statt in der Fabrik beim „créateur d´automobile“ entstanden. „Nichts ist unmöglich.“