Bergbratzen

Bergbratzen sind etwas ganz besonders, meine lieben Freunde! Sie können ohne Mühe in den in Bergnähe liegenden Orten oder Bergdörfern  beobachtet werden.Die Bratze ist an sich ja weiblich, aber Bergbratzen können beiderlei Geschlechts sein. Sie haben sich aus dem Stamm der Flachlandtiroler entwickelt und sollten nicht mit Almdudlern verwechselt werden. Während die Almdudler wiederum überwiegend die alkoholischen Getränke auf den heimischen Almen bevorzugen und dabei gesangsähnliche Laute von sich geben können (das Dudeln), ist die gemeine Bergbratze eine Weiterentwicklung vor allem kleidungstechnisch und auch geräuschmäßig. Bevorzugte der Flachlandtiroler noch die Kniebundhose und das karierte Hemd (darin schwitzt er kräftig) und wurde er zuweilen auch mit dem Gamsbart und einem Stecken gesehen (weibliche Exemplare bevorzugen das Dirndl), so ist die Bergbratze moderner.

Die Bergbratze trägt atmungsaktive Blusen oder Hemden und eben solche sportlichen Hosen. Verschiedene Exemplare tragen einen Rucksack in den sie ihre Trekkingstöcke mit den Spitzen nach oben stecken. Zum Glück verursacht der Kontakt der Stahlspitzen mit dem Asphalt der Einkaufspassagen charakteristische Geräusche. So kann man der Bergbratze aus dem Wege gehen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn lange Nordic-Walking-Stöcke eingesetzt werden. Diese sind nicht so leicht zu hören.

Die Bergbratzen treten meist in familiären Horden auf. Sie fallen durch übertriebene Fachsimpelei in Sportgeschäften auf, wo sie oft den Ablauf des Verkaufsvorgangs stören. Weibliche Exemplare sind hier besonders intensiv, während männliche meist mit gelangweiltem Gesicht dazu herum stehen und abwarten, bis die Beute eingetütet wird. 

Männliche Exemplare fühlen sich in den Gastwirtschaften wohler, hier wird eine gewisse Ähnlichkeit mit den Almdudlern offenbar, auch wenn ihnen diese Eigenschaft ursächlich vom Flachlandtiroler vererbt wurde.

Eine besonders gefährliche Art der Bergbratzen ist die gemeine Bergbratze. Sie fährt häufig in den Bergwäldern mit einem Bike ohne Klingel herum und taucht so meist völlig geräuschlos und auf. Sie erreicht eine beträchtliche Geschwindigkeit und verschwindet meist eben so schnell, wie sie gekommen ist.  

Sie trägt zudem viel zu engen Radlerhosen und ist oben herum zuweilen auch atmungsaktiv bekleidet. Die männlichen Exemplare tragen meist einen Helm, die weiblichen eher nicht (sie müssen ihre Mähne pflegen).

Gemeine Bergbratzen fahren in der Regel bergab. Sollte Ihnen einmal eine Gemeine Bergbratze bergauf begegnen, keine Sorge, sie ist keine Gefahr.

Nun, meine lieben Freunde, Sie werden sich fragen, ob da nicht Gefahr besteht für die Bergbratze und die Gemeine Bergbratze. Das können wir aber beruhigt verneinen. Bergbratzen vermehren sich regelmäßig, sie tun auch niemandem etwas zu Leide.

Im Gegenteil, diese putzigen Gefährten bereichern unsere heimische Bergwelt. Sie richten keinen anderen Schaden an als andere Menschen. Es wäre völlig falsch, sie zu verdrängen. Ohne das Knallen ihre Stockspitzen wären manche Orte viel zu ruhig und das leise, beruhigende Surren ihrer Räder eröffnet uns neue Klangdimensionen der Bergnatur.

Belassen wir es also dabei und genießen wir das echt Bratzige.

Waffenstillstand

Ich habe meinem Zahnarzt nun schriftlich mitgeteilt, dass ich keine Belehrungen in Sachen Zahnpflege mehr wünsche. Schließlich, wenn ich alles so gut könnte, warum sollte ich dann die kostenpflichtigen Dienste meines Zahnarztes in Anspruch nehmen? Dies hat er zwar nicht eingesehen, aber immerhin bestätigt, dass er es zur Kenntnis genommen hat. Ob sein Personal dies befolgt, werde ich sehen. Der Beginn einer Freundschaft ist es sicher auch nicht.

Datenschutz, das unbekannte Wesen

Datenschutz ist in Deutschland ein hohes Gut. Darum trägt man behördlicherseits den Datenschutz als großes Schild vor sich her, wenn man Aufwände vermeiden möchte. Das Standesamt I in Berlin pflegt auf Anfragen von Familienforschern gar nicht zu antworten. Die Wehrmachtsdienststelle WASt lehnt wenigstens noch schriftlich nach monatelanger Bearbeitungszeit ab. Was aber ist eigentlich ehrenrührig an dem militärischen Werdegang eines Wehrmachtsangehörigen? Und wozu werden Daten aufbewahrt, wenn noch nicht einmal in direkter Line stehende Nachfahren Einblick nehmen dürfen. Oder will man ggf. die Mitgliedschaft in Nazi-Organisationen vertuschen? Wären Ämter nicht dazu da, Informationen zur Verfügung zu stellen und aufzuklären? Das Vereine wie der VDK wesentlich offener mit den gleichen Informationen umgehen, findet die WASt jedenfalls bedenklich. Die gleiche Bockbeinigkeit und Ignoranz im Umgang mit Anfragen findet sich auch bei manchem öffentlichem Archiv und so muss man sich nicht wundern, dass polnische Stellen z.B. wesentlich schneller reagieren. Dies zu einer Zeit, wo der Umgang mit Daten in der freien Wirtschaft eine inflationäre Freiheit erfährt. Der Datenschutz ist in Deutschland ein seltsames Wesen. Löchrig wie ein Schweizer Käse und flexibel wie ein Gummiband, aber gleichzeit hart wie Stahl, um sinnvolle Informationen nicht weiter zu geben. Wo bleibt der Datenschutz, wenn man bei der Polizei einen anonymen Hinweis geben will?  Wo der Schutz des Informanten? Kurios wird es, wen Institutionen wie die Krankenkassen, während sie Personalabteilungen zum Beispiel keine Informationen über einen Arbeitnehmer geben wollen, durchaus auskunftsfreudig gegenüber Vermittlern sind. Sehr schön auch die Deutsche Bahn. Meine Monatskarte enthält nun meine persönlichen Daten in einem Chip, den der Schaffner jedes Mal erste einlesen muss, damit er weiß, für welches Tarifgebiet sie gilt. Hat erst mal jeder Bahnreisende so ein Ticket, dann wird die Fahrkartenkontrolle eine tagfüllende Veranstaltung. Schöne neue Datenschutzwelt!

Game on

Da habe ich nun mein Kindle weg. Ich komme mir vor, wie in einem Zockerspiel. Wieder mal was gekauft, was mir nichts nutzt. Statt mich zu verstärken, hat sich mein Inventar einfach vergrößert und ich schleppe noch mehr Ballast samt Kabeln herum. Ein Fehler in der Strategie.

Das ist fast schon eine Überlebensfrage: wie viel Geräte brauche ich noch, um endgültig vom, sagen wir mal analogen, Leben Abschied zu nehmen?

Wann ist Spiel zu Ende, welcher Level ist der endgültige? Welche Versprechung die letzte? 

Dottore II

Die Krankenkassen schwimmen im Geld. Das ist erklärbar, wenn man bedenkt, dass auch ein Facharzt heute nicht mehr das macht, was er soll. Die Hautärzte sind mit kosmetischen Eingriffen überlastet, da bleibt für das einfache Begutachten eines dunklen Flecks wenig Zeit. Beim HNO-Arzt kann man sich die Ohren piercen lassen oder aber Akupunkturbehandlungen ertragen. Wer braucht da noch einen Hörtest? Die neueste Art des Hörtests ist kostensparend und geht wie folgt: der Arzt steht auf und geht zum anderen Ende des Zimmers. Dann spricht er leise und fragt, ob man ihn noch versteht. Falls ja, dann ist der Hörtest erledigt, da nicht notwendig. So jedenfalls erklärt das der Arzt. Früher einmal, da hieß es, wenn man die menschliche Stimme nicht mehr hört, dann ist schon sehr schlimm. Aber das war in der Zeit, als IGEL-Leistungen noch nicht so in waren. Über den Besuch beim Urologen freut sich die Krankenkasse übrigens auch, denn da gibt es so gut wie nichts mehr zu bezahlen. Alles, was die Kasse zahlt, ist lt. Urologe sinnlos, also müht er sich lieber darum, das in Ordnung zu halten, was biologisch sinnlos ist. Man könnte also meinen, wozu im Wartezimmer stundenlang warten, wenn sowieso nichts passiert? Es sind die Gespenster, die durch die Medien wabern und von den Dottores am Leben gehalten werden. Osteoporose, heute dieser, morgen dieser Grenzwert, je nach Belieben; die Darmspiegelung ist ja so wichtig, mal gilt sie alle 10 Jahre als ausreichend, andere Ärzte kriegen nicht genug davon. Und das böse und das gute Cholesterin, es ist mal mehr, mal weniger Schuld. Haben Sie Ohrensausen oder Tinnitus? Vergessen Sie es, kein Arzt weint ihnen eine Träne nach, wenn sie ihn damit nicht belästigen.

Ob Sie wirklich etwas haben, entscheidet immer noch der Arzt. Und wenn er daneben liegt, Pech gehabt, das war dann wohl ein Kassenarzt. Im Zweifelsfall sind Sie einfach zu spät gekommen und sollten sich einer Psychotherapie unterziehen.

Sie meinen, ich sei wohl hyposensibel? Ich versichere Ihnen: nein, noch nicht, ich arbeite dran.

Den Krankenkassen geht es gut und man sollte auf keinen Fall auf die Praxisgebühr verzichten. Denn nur das, was man selbst zahlt, das kann irgend wie für irgend etwas gut sein (mehr oder weniger).