Was macht das mit Ihnen?

Unsere Bezugsgruppe trifft sich nun auch außerhalb der Pflichttermine. Der bevorstehende Abschied und das Ausscheiden von (mit mir) drei weiteren Mitgliedern aus der Gruppe wird seitens der Bezugstherapeutin immer wieder thematisiert. Auch wenn wir uns nun alle recht gut verstehen und wir am Wochenende sogar einen Ausflug zum Einstein-Haus und nach Sacrow gemacht haben, wir werden uns wohl nicht wieder sehen. Einige basteln kleine Abschiedsgeschenke und es wird emotionaler, als ich das erwartet hätte. Eine der mit mir abreisenden Damen meint, ich würde nicht alles mit bekommen. Nun strebt ja jeder Mensch danach, dem Peter-Prinzip zufolge, den größten Grad seiner Unfähigkeit durch vermeintliche Verbesserungen seiner Position zu erlangen. Vielleicht bin ich in der Gruppe bereits schnell an diese Position gelangt.
Heute ist der Tag der letzten Gespräche und ich habe vom Abend vorher noch einen dicken Kopf.
Mit Lena und Paule feierte ich Abschied in der Jägerklause und wir verpassten die Rückkehr zur Klinik. Nur dem beherzten Eingreifen der Wirtin ist es zu verdanken, dass wir überhaupt doch noch pünktlich das Gelände erreichten. Sie packte uns einfach ins Auto und fuhr uns zur Klinik. Eigentlich wollten wir bereits früher gehen, wurden dann aber von einem anderen trinkfreudigen Kurkollegen abgehalten. Auf seinem Handy lief etwas über Brandenburg und ab einem gewissen Grad der Alkoholisierung findet man ja alles lustig. Was wohl die Einheimischen von uns denken? Ich konfrontiere einen jungen Kerl aus dem Ort mit der Feststellung, dass hier ja wohl alle denken, dass wir aus der Klapsmühle kommen. Sehr bedächtig antwortet er mir, das könne man so nicht sagen.
Nun ja, wir jedenfalls sind zu sechst im Auto, Lena als kleinste müssen wir quer auf uns legen, die wir auf der Rückbank Platz genommen haben. Mit einem halbvollem Bierglas unter der Jacke passiere ich die Rezeption und kann Paule noch zu einer Einkehr auf meinem Zimmer überreden, der wiederum überredet Lena und so haben wir noch einen netten Abend, der damit endet, dass ich Lena die letzten Zigaretten weg rauche.
Ich bin also recht wortkarg bei meinen heutigen Anwendungen und Terminen. Die Abschlussgespräche fordern mich zum Glück nicht allzu sehr. Die Bezugstherapeutin hat mit mir schon abgeschlossen, findet alles prächtig, was ich mache, der Arzt verlangt noch nicht einmal den Klinikbewertungsbogen und auch nicht den Nachweis meiner sportlichen Freizeitaktivitäten. Ich nötige ihm beides auf, schließlich musste ich hart dafür arbeiten.
Mein Werkstück aus der Ergotherapie muss ich abholen und ich kann es auch gleich in den Müll schmeißen. Meinen, sehr gekonnt aus einem Stück Ton geformten Tonbecher, hat die grell rote Glasurfarbe den Garaus gemacht. Die Farbe ist auch nicht glatt und beim Auftragen derselben hätte ein Tipp der Kursleiterin sicher ein besseres Ergebnis gebracht. Leider konnte ich nur aus wenigen Farbtönen wählen und wusste nicht, wie sehr sich der Farbton durch das Brennen ändert. In der Ergogruppe bin ich auch mit dem Vorhaben gescheitert, einen Kettenanhänger aus Speckstein zu feilen. Die Gruppe war ein Misserfolg für mich, ich kam zu spät hinein und fand nie Zugang zu den anderen Teilnehmern.
Nun freue ich mich wenigstens auf den Abend, denn Lena ist Mitglied des Patientenchors und hat versprochen, mich würdig zu verabschieden.

pope am 25.2.09 19:24

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