Schreiben oder Schreiben lassen

Hätte Talia mir ihre Emailadresse hinterlassen, dann hätte ich ihr was Nettes schreiben können. So kann ich mich nur für den netten Eintrag bedanken. Die Kommunikation via Internet ist mühselig und manchmal scheint es so, als seien all diese modernen Hilfsmittel
eher verschleppend wirksam. Die goldenen Zeiten des Briefeschreibens und Anrufens sind vorbei, heutzutage wird gesmst, gemailt, gebloggt. Kein Wunder, dass sich eine gewisse Leere breit macht. Irgendwann wird man sagen, früher, da haben sich die Leute noch direkt angesprochen und sich was zu sagen gehabt. Sie haben Seiten beschriftet und in Umschläge gesteckt, sich Briefmarken gekauft und sind zur Post gegangen. Sie haben Tage und wochenlang auf Antwort gewartet und der Briefträger war ein Bote der Hoffnung. Heute bringt er nur noch Rechnungen und Prospekte.
Mein Handy trage ich zur Show spazieren (es kann viele Sachen), aber solange es Geld kostet, wird für mich keiner anrufen. Lediglich die Frage, wo ich jetzt gerade bin, wird mir öfter per Handy gestellt.
Ja, wo bin ich jetzt? In einer tiefschwarzen Nacht im Dialog mit verstorbenen Personen, aus der ich mit Tränen in den Augen aufwache, ohne zu wissen warum. Der tote Vogel neben meinem Auto kann mich kaum schrecken, er nervt nur. Ich kicke ihn beiseite und höre dem Rascheln der Federn zu. Vielleicht sollte ich was lesen statt zu schreiben. Vielleicht darüber,
dass „Tschu Tarling“ kein Superstar geworden ist und ein selbst ernannter Poptitan ein weinerliches Talent gefunden hat. Wenn ich könnte, würde ich was anderes schreiben lassen.
Ein dicker grüner Käfer fliegt mich an, während ich des Nachbars Grilldüfte zu erkunden suche. Vor Schreck schmeiße ich meine Balkontür zu und lasse sie über meine Stirn kratzen.
Darüber kann man nicht schreiben und es hilft nicht dabei, Millionär zu werden.

pope am 12.5.09 21:25

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