Der Patient Herr D. (formerly known as „“)

Der Patient Herr D. wollte mal Abstand von seinem beruflichen und privaten Stress nehmen. Während des Aufenthalts in einer stationären Anstalt nahm er an einer dreitägigen Blitztherapie teil. Im Verlaufe dieser Maßnahme zeigten sich durchaus positive Wirkungen, die auch von der behandelnden Therapeutin attestiert werden konnten.
Im Anschluss daran wurden dem Patienten eine telefonische Weiterbehandlung unter Einschluss einer Brieftherapie angeboten. Beide Maßnahmen sollten dem Patienten einen Ablösungsprozess erleichtern, ihm erlauben, in seinen Alltag zurück zu kehren, ohne das Verlustängste sich erschwerend für seinen allgemeinen Zustand auswirken.
Nach nun fast schon anderthalb Jahren muss leider konstatiert werden, dass dieser Therapieform nur bedingt Erfolg beschieden war.
Zum besseren Verständnis sei das Beschwerdebild von Herrn D. hier nachfolgend beschrieben.
Herr D. kennt aus sich mit technischen Hilfsmitteln, insbesondere mit dem Internet sehr gut aus, nimmt jedoch bei der Anwendung keine Rücksicht auf seine Therapeutin. Er achtet also die Spielregeln der Therapie nicht. Briefe sind per Post zu schreiben und Telefonate sind regelmäßig erwünscht, ohne das diese für die Therapeutin zur Pflicht werden. Herr D. ist aber regelmäßig leider nicht in der Lage, verlässliche Kommunikationsstrukturen aufzubauen. Die Kommunikationswege werden nicht eingehalten. Es kommt daher immer wieder zu Irritationen seitens der Therapie führenden Stelle. Zur Kommunikationsstruktur gehört, dass Herr D. die Briefe seiner Therapeutin beantworten soll, in dem er auf die ihm geschriebenen Inhalte eingeht, ohne dabei übertrieben zu reagieren. Redet oder schreibt er über Liebe, so steht dies bei ihm stets in keinem Zusammenhang zu der in der Realität von ihm gezeigten Aktivität. Zudem äußert er zusammenhanglos etwas über „Indifferenzen“, wo eigentlich ein virtuelles Brainstorming geplant war.
Neben diesen bereits erschwerenden Tatsachen, erlaubt auch die Grundverfassung von Herrn D. keine erfolgversprechende Therapie. Obwohl er ausschweifend über gesundheitlich banale Beschwerden berichtet, hält er sich trotzdem für witzig. Sobald er von der zuständigen Therapeutin eine kritische Bewertung erfährt, reagiert er mit dem Schreiben von relativ talentfreien Gedichten. Letzterer Ansatz wurde therapeutisch aufgegriffen und durch adäquate Dichtkunst der letzte Versuch eines Kommunikationsansatzes aufgebaut.

Die Prognose für Herrn D. könnte lauten: Herr D. wollte mal, aber er hat nicht. Die ihm zugeteilte Rolle als „“ hat er ebenso wenig überzeugend spielen können wie er die Standby-Erwartungen (zwecks späterer Wiederaufnahme der Therapie) der Therapieleitung rechtfertigte. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass Herr D. sich weiter mit pommerschen Datenbanken beschäftigt und an seiner Modelleisenbahn herum bastelt, statt sich menschlichen Belangen zuzuwenden. Auch wird er sehr wahrscheinlich seine langjährige Ehe fortsetzen, ohne das dabei eine Besserung seines emotionalen und sozialen Zustands eintreten wird. Herr D. ist körperlich u.E. nach völlig gesund und versucht immer wieder, das soziale Netz mit Arztbesuchen zu belasten. Vorbehaltlich des Vermerks der Therapieleitung ist die Maßnahme hiermit als beendet anzusehen. Ein persönlicher Gegenstand wurde im Rahmen erster Abnabelungsprozesse vorausschauend bereits im Jahre 2009 an den Patienten zurückgegeben.

pope am 3.2.10 19:47

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