Dottore

Dottore hat nicht viel Zeit, er muss auch noch was erledigen. Ein längeres Gespräch, so wird er mir später sagen, wird Geld kosten. Er hat mir einen Bogen zum Ausfüllen gegeben und ich habe ihn eben ad hoc ausgefüllt. Er lässt mich erst mal meine Befindlichkeiten von mir geben und da ich ihm ja irgendwas erzählen muss, ist es mehr, als das was auf dem Bogen steht. Auch habe ich die Namen der Medikamente vergessen, die ich im Laufe der Jahre verschrieben bekommen habe.
Nun vermutet Dottore, dass ich ihm systematisch etwas verschweige. Ich wolle mich wohl nicht ändern und da könne er mir nicht helfen. Schließlich habe ich ja auch nicht angegeben, warum ich zu ihm komme. Der Grund fehlt sozusagen. Und da ich auch von verschiedenen Trennungserlebnissen erzählt habe, meint er, eigentlich müsse ich doch wohl weinen und das solle ich mal tun. Eine Psychotherapie sei doch sicher das richtige. Eine Wahl habe ich wohl nicht, denn eine homöopathische Behandlung kostet auch Geld. Mit dem, warum ich da bin, hat das freilich alles nichts zu tun. Er untersucht mich ja auch gar nicht.
Draußen scheint wenigstens die Sonne, als ich mich reumütig verabschiede. Mein Rücken schmerzt, aber das ist nicht so wichtig. Ich mache noch einen schönen Spaziergang.
Das ist eine sehr gute und allgemeine Medizin.

pope am 18.4.12 19:19

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