David Benioff - City of Thieves

Eine erfundene Geschichte zwar, aber sehr spannend erzählt und gut rercherchiert. Ein bekannter amerikanischer Screenschreiber schreibt die Erlebnisse seines Großvaters, eines russichen Emigranten, auf. Eine Geschichte von zwei völlig ungleichen Menschen, die das Schicksal zusammen führt, um eine irrwitzige Aufgabe im von Deutschen eingeschlossenen Leningrad zu erfüllen.


Paulo Coelho - Der Alchimist
Ein andalusischer Hirte sucht sein Glück auf den Weg zu den Pyramiden von Gizeh. -


John M. Coetzee – Summertime

Das Buch des südafrikanischen Schriftstellers ist Fiktion und dennoch autobiographisch.
Mehrere wichtige Personen im Leben des Alter Ego kommen zu Wort, interviewt von dem stets im Hintergrund bleibenden englischen Ph.D.-Studenten, dessen Fragen aber den Charakter des zu erforschenden, vermeintlich bereits verstorbenen, Autors John M. Coetzee
ein ums andere mal heraus arbeiten. Da tritt in den Schilderungen der Zeitzeugen ein recht spröder und weltfremder Mensch hervor, der seine Cousine als Kind lieb hatte, ein kurzes Verhältnis mit einer betrogenen Ehefrau eingeht, eine brasilianische Sambatänzerin stalkt und deren Tochter unterricht und eine Liebe zu einer französischen Lehrerkollegin hatte.
Ein Mensch, der von den Frauen als zu leicht empfunden wird, zu wenig gefühlvoll und zu andersartig, um als richtiger Mann durchzugehen. Und auch der übrige Erfolg im Leben stellt sich kaum ein. Dieser John M. Coetzee ist in die U.S.A. ausgewandert, muss das Land verlassen, weil er dort Probleme wegen seiner Einstellung zum Vietnamkrieg bekommt und lebt dann bei seinem Vater.
Szenen aus Kapstadt und dem Outback wechseln sich ab, Szenen aus der Zeit der Apartheid in den Siebziger Jahren. Einer Zeit, in der schon viele Weiße wussten, dass das Paradies ihrer eingezäunten Vorstädte nicht ewig bestehen würde..
Dieser Coetzee kann nichts richtig und arbeitet doch immer weiter. Er versucht, das Haus des Vaters zu erneuern und unterschätzt die damit verbundene Arbeit. Er gibt Nachhilfeunterricht an der Uni, ohne ein richtiger Hochschullehrer zu sein. Er bleibt mit dem uralten Pickup, den er vergeblich zu reparieren versucht, bei einem Ausflug mit seiner Cousine in der Wüste stecken.
Das große Geheimnis des Buches ist: wie viel John M. Coetzee ist dieser John M. Coetzee?
Er schreibt Poesie, das macht ihn für seine Farmerfamilie nicht besser. Er ist kein Rassist und doch nicht politisch.
Da man diese Frage dennoch nicht beantworten kann, liest man einfach das Buch, als das, was ist: ein sehr menschliches Portrait des untergegangenen südafrikanischen Apartheidstaates.
Und eines Menschen, dessen Bemühen im Vordergrund steht, der beschreibt und nicht handelt.
John M. Coetzee erhielt 2003 den Nobelpreis für Literatur. Er ist Vater zweier Töchter und Witwer. Und lebt in Australien.


Das Buch Hitler

ist erstaunlich kurzweilig geraten, auch wenn der Inhalt teilweise schwer verdaulich ist.
Stalin interessierte sich so sehr für die Eigenschaften seines Widersachers Hitler, dass er dessen zwei engste Mitarbeiter (Kammerdiener Heinz Linge und den persönlichen Adjutant Otto Günsche) in der Kriegsgefangenschaft verhören und bespitzeln ließ.
Neben den Befindlichkeiten Hitlers tritt dessen fatale Oberflächkeit in der Beurteilung von Freund und Feind in den Vordergrund. Das Buch dient natürlich auch einem anderen propagandistischem Zweck: zweifelsfrei arbeitet es heraus, dass die Sowjetunion den Löwenanteil des Kampfes gegen Hitlerdeutschland geleistet hat. Aber es wird auch klar, dass die deutsche Industrie direkt in die Verbrechen in den besetzten Ländern involviert war und dass die Generale der Wehrmacht wider besseres Wissen überzeugte und willfährige Instrumente ihres Führers waren.


Andrew Davidson – The Gargoyle

The Gargoyle – wörtlich übersetzt ist das ein Wasserspeier, gemeint ist aber hier eines der steinernen Fabelwesen, die eine beschützende Eigenschaft haben sollen und in mittelalterliche Kirchen das Böse vertrieben.

Das Buch ist das Erstlingswerk des Autors, es liegt in gebundener Form auch in deutscher Sprache vor. Wer es englisch lesen kann, dem sei das Taschenbuch empfohlen.
Der Plot des Romans ist sehr phantasievoll. Ein junger Mann, bei Pflegeeltern groß geworden und aufgrund seines guten äußerlichen Aussehens anscheinend mit keiner anderen Bestimmung aufgewachsen, als Darsteller und Produzent von Pornofilmen zu werden, erleidet bei einem Autounfall schwerste Verbrennungen. Dabei verbrennt nicht nur ein Teil des Gesichts, nein auch das beste Stück fällt den Flammen zum Opfer. Brennende Pfeile sah der Mann kurz vor seinem Unfall auf sich zu kommen, eine Vision, die ihn zurück führt in sein schon einmal gelebtes mittelalterliches Leben. An dieses kann er sich nicht erinnern, auch nicht, als eine rätselhafte Frau an seinem Krankenbett auftaucht, die nun fortgesetzt behaupten wird, im mittelalterlichen Deutschland und zwar im Kloster Engelthal bei Nürnberg seine Bekanntschaft gemacht zu haben. Die beständigen Besuche und auch das Geschenk einer kleinen Steinfigur, eben jenes Wasserspeiers hindern den Protagonisten nicht daran, sich beim Warten auf die nächste Morphiumdosis genüsslich zu überlegen, auf wie viele Arten ein Mensch sich umbringen kann. Marianne Engel heißt die rätselhafte, an Schizophrenie erkrankte Person, die nun immer wieder Geschichten erzählt von Menschen, die sich lieben und die nun Episoden aus dem gemeinsamen früheren Leben nach und nach offenbart.
Diese Liebesgeschichten enden immer mit dem Tod der geliebten Person, der aber die Liebe nicht besiegen kann. Der Patient macht Fortschritte auch emotional, die Liebe dieser Frau
beginnt ihn zu beeindrucken. So nimmt er sogar letztlich seine Therapie an, baut emotionale Beziehungen zum Pflegepersonal auf und sehnt sich danach, von Marianne Engel nach dem Ende seines Krankenhausaufenthalts mit nach hause genommen zu werden. Bald muss er erkennen, dass er die Frau mit dem Engeltattoo auf dem Rücken mit deren Besessenheit teilen muss. Denn Marianne Engel ist eine begnadete Bildhauerin und sie arbeitet im Auftrag der Dreifaltigkeit, deren eine Seite Meister Eckhardt ist, eine andere die eines geliebten Paters. So arbeitet sie ohne Rücksicht auf ihre körperliche Gesundheit, denn die Steine rufen sie. Jede Fertigstellung eines Steins ist die Freigabe eines Herzens. Und erst wenn das letzte Herz freigegeben ist, ist auch Marianne Engel erlöst. Das letzte Herz nun kann nur der Geliebte freigeben, der Ehemann aus einem anderen Leben. Dieser erkennt, dass er erst jetzt, wo er über keine Manneskraft mehr verfügt, der Liebe fähig ist und dass er dennoch kein Recht hat, Marianne Engel aufzuhalten. So lässt er sie in den, nach der letzten Statue von ihr ersehnten, Freitod ziehen. Liebe bedeutet auch los lassen können. Die fällt natürlich leichter, wenn man sich das Paradies als das Einssein mit geliebten Menschen ohne störende Körperlichkeit vorstellt.

Die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri und vor allem die darin enthaltenen Jenseitsvorstellungen haben also Pate gestanden nicht nur bei den vielen verwobenen Geschichten. Diese tauchen u.a. in den Träumen des Protagonisten während des kalten Morphiumentzugs auf. Und ein Exemplar dieses Buches rettete ihm in seinem mittelalterlichen Leben als Söldner das Leben: der brennende Pfeil, der für sein Herz bestimmt war, trifft das unter dem Mantel getragene Buch (ein Exemplar der „Göttlichen Komödie“) und tötet ihn daher nicht. Aus dem Söldner wird ein Bildhauer, der die ihn pflegende Nonne zur Frau nimmt und der dieser Frau den kleinen Gargoyle zum Geschenk macht.

„The Gargoyle“ ist ein Buch in dem sich viele Kreise schließen und wer meint, diese Beschreibung sei zu lang, der lese das Buch und lerne, es zu lieben.


John Grisham - The Confession

Der Spannungsbogen dieses Buches ist gewaltig. Nur soviel kann daher guten Gewissens vorab verraten werden: ein unschuldiger schwarzer junger Baseballspieler namens Donté Drumm wird in der texanischen Kleinstadt Sloane wegen Mordes an der weißen Cheerleaderin Nicole Yarber vor Gericht gestellt. Deren Leiche wird zwar nie gefunden und das Geständnis des Angeklagten unter rechtswidrigen Umständen erpresst, das stört aber das Gericht nicht im Geringsten.
Schließlich müssen Recht und Gesetz obsiegen und soviel Möglichkeiten gibt es in Sloane nicht, sich als Hüter dieser Ordnung zu bewähren. Und wenn sich die untersuchende Richterin und der Polizeichef kennen, dann funktioniert die Zusammenarbeit noch besser. Alle weißen Schöffen des Gerichts schicken den schwarzen Donté Drumm in die Todeszelle, dabei hätten schon die Verhörprotokolle mit all den widersprüchlichen Aussagen Dontés zum Tatgeschehen Anlass für ernste Zweifel geboten.
Donté jedenfalls sitzt in verschiedenen Todeszellen und durchlebt verschiedene Phasen seiner Isolation. Derweil kämpft der Anwalt Robbie Flak unermüdlich darum, die Falschaussage eines ehemaligen Freundes von Nicole Yarber zu belegen. Ein Kampf gegen die Zeit beginnt zudem, als der eigentliche Mörder, inzwischen unheilbar krank, aus der Haft entlassen wird und den Ausgang während seiner Zeit in einem Bewährungsheim nutzt, um einem
lutheranischem Pastor in Kansas sein Geständnis scheibchenweise anzuvertrauen, nicht ohne dessen attraktive Frau anzuhimmeln. Travis Boyette will einmal in seinem Leben die Wahrheit sagen und mit dem Fall abschließen. Schließlich, so sagt er, habe er Nicole geliebt. Er ist ein verurteilter Serienvergewaltiger, ein Mann, der seinen Trieb nie zügeln konnte und der Gewalt am eigenen Leib erfahren hat.
Dem Pastor aber schlägt die Stunde des Gewissens, er bricht das Gesetz und fährt Boyette nach Texas, um die Hinrichtung eines Unschuldigen zu verhindern.
Das Buch ist ein glänzendes Plädoyer gegen die Todesstrafe und es zeigt gleichzeitig, wie weit die Rassengleichheit in den U.S.A. ist. Jon Grisham nutzt durchaus bekannte Klischees, scheut sich aber nicht, seine Charaktere und Protagonisten mal mehr, mal weniger mit Licht und Schatten zu versehen. Zwar gibt es Gute und Böse, aber wer am Ende gewinnt, ist fast nicht zu sagen. Das Travis Boyette am Ende gar nicht todkrank ist und erst bei einem erneuten Versuch, eine Frau zu entführen und zu vergewaltigen, festgenommen wird, irritiert durchaus und lässt an Travis’ edlem Motiv zum Geständnis zweifeln.
Die Hoffnung erhält zum Schluss einen Stich und manches erscheint als Wahrheit sehr bitter. Das Buch ist dieser Tage auch in deutsch erschienen: John Grisham - Das Geständnis.


Stephan Hawking - Die kürzeste Geschichte der Zeit

Es ist so egal und doch so faszinierend: das Universum. Keiner erklärt es so packend und fundiert.


Kahled Hosseini - Drachenläufer

Ein Bruder weiß nichts von seinem Halbbruder, Beide werden in einer Familie groß, der eine dient dem anderen völlig unwissend. Was nicht sein soll, darf nicht sein. Am Ende kommt alles heraus.

Frank Schätzing - Tod und Teufel

Kölscher Klüngel im Mittelalter und ein Auftragskiller. Urquhart lauert stets mit seiner kleinen Armbrust unter dem Umhang..

Volker Weidermann - Lichtjahre. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute
Erschienen 2006 und 2007 als Tb


Die Presse hat das Buch waren nicht gerade überschwänglich gefeiert.
Es ist klar, der Literaturbetrieb schätzt es nicht, wenn Eigenheiten der Protagonisten (der Autoren) so schonungslos ans Licht gebracht werden und nicht ausschließlich die Werke im Vordergrund stehen.
Das Buch ist eben nicht mit den „Daten deutscher Dichtung“ zu vergleichen. Und es geht auch nicht um Literaturwissenschaft, sondern um eine subjektive Auswahl und Bewertung deutscher Autoren der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart des Jahres 2005.
Weidermann schreibt über seine Begegnungen mit den Autoren/-innen und vermittelt auch bei
den anderen Nichtbesuchten den Eindruck einer ummittelbaren Beziehung. Entsprechend direkt, manchmal auch lakonisch, fallen seine Urteile aus. Umso liebevoller sind sie, wenn er einer positiven Bewertung kommt. Das nennt man Unterhaltung. Der Leser hat die Wahl zu glauben oder zu überprüfen. Die Aufstellung am Ende des Buches erleichtert die Auswahl der nächsten Lektüre.
Am meisten beeindruckt hat mich das Nachwort, in dem Volker Weidermann über seinen Besuch bei Hilde Domin (der gleichsam als Chronistin der besprochenen 60 Jahre geltenden) schreibt. Er lässt die Schriftstellerin sprechen und ihre Person hervor treten. Ihre Bücher sind ihr wie Kinder und bei Kindern darf man ja auch mal nach den Eltern fragen.
Mein persönliches Fazit dieses Buchs ist: Du kannst viel Blödsinn schreiben, sobald es sich verkaufen lässt, ist es nicht immer Literatur, aber Kunst.
Und Volker Weidemann sagt, es wird auch weiterhin Gutes und Bedeutendes geben und das ist gut so.


Thomas Wieczorek - Die verblödete Republik

Das 2009 erschienene Buch von Thomas Wieczorek hinterlässt in mir als Leser eine
einigermaßen große Unordnung.
Die Augenfälligkeit der schlechten Qualität der Information durch das Medium Fernsehen ist mir selbst schon oft genug negativ aufgefallen. Aktuell wird ja wie blöd über das Oktoberfest berichtet, obwohl es eigentlich keinen interessiert, der sich nicht selbst dort besäuft.
Das auch die Politiker ihre Kontroversen selbst nicht meinen, die sie scheinbar in der Öffentlichkeit ausfechten, ist mit gesundem Menschenverstand zu erahnen.
In dem Buch von Thomas Wieczorek nun vermischt sich das alles zu einem miesen Komplott von Medien, Politik und Wirtschaft, der die Armen unten halten will und die Reichen immer reicher macht.
Die Frage ist für mich: sind die Herrschenden so intelligent, sich so etwas auszudenken?
Oder nutzen sie nicht einfach nur die Machtinstrumente aus, die ihnen in den Schoß gelegt werden? Die Trägheit ist doch die Triebfeder menschlichen Lebens, die höchstens mal durch die Angst etwas abgeben zu müssen außer Kraft gesetzt wird.
Aber im Großen und Ganzen mag ich Thomas Wieczorek gar nicht widersprechen, er ist sicher profunder gebildet als ich. Was mich nur stutzig macht, dass er als Kronzeugen für seine Thesen immer wieder ein paar Gute hervor holt, die den Irrwitz von Politik und Lobbyismus der Unternehmer bestätigen sollen, so etwa einen Urban Priol.
Wenn es doch auch solche Sendungen wie „Die Anstalt“ im Fernsehen gibt, dann kann doch nicht alles schlecht sein. Und wer beurteilt denn, was gut und was schlecht ist?
Der Mensch an sich vergisst gern schlechte Erlebnisse und erinnert sich an die guten.
Das ist eine Eigenschaft, die für das Überleben wichtig ist. Und jeder Künstler produziert auch mal Mist, von dem sich, Gott sei Dank, das Geniale absetzen kann.
Herr Wieczorek ist ein Teil des Systems

Marina Zwetajewa - Liebesgedichte

Eine starke Frau zerbricht in schweren Zeiten.