Potsbus

Der nächste Tag erwartet uns mit Sonne und wir beschließen mit dem Bus nach Potsdam zu fahren und den Park in Sanssouci zu besuchen. Ich habe mich bereits beraten lassen, wie wir dahin kommen, frage aber sicherheitshalber den Busfahrer beim Einstieg noch mal. Der erzählt uns was von Straßenbahnfahren und Umsteigen und ich denke mir: das kann doch nicht sein. Potsdam ist doch nicht so groß, wenn ich in der Stadt aus steige, müsste ich doch zu Fuß zum Park Sanssouci gehen können. Nun mache ich den Fehler, diesbezüglich nachzufragen und der Busfahrer schnauzt mich an: „Wenn se det schon wissen, wieso fragen se denn?“ Klare Ansage, ich lasse es bei der Einzelfahrkarte bewenden, denn für die Tagesfahrkarte „Is et ja nu zu spät.“ Die hätte € 3,70 gekostet und liegt somit knapp über dem Preis von zwei Einzelfahrten. Wir erreichten immerhin per Bus die Innenstadt und liefen wie geplant durch die Brandenburger Strasse, fanden sogar einen Geldautomaten der Sparkasse und hatten so versorgt dann einen schönen Tag im Park Sanssouci (wo wir den Drachenturm nicht fanden) und gingen weiter zum überraschend nahen Krongut Bornstedt, wo wir Plattenkuchen inmitten von trubeligem Auftrieb und Klaviermusik genossen. Nach der Rückkehr in die Klinik besuchten wir noch einmal die Kneipe des Ortes, die nun angenehm ruhiger war. Abends sahen wir im Aufenthaltsraum auf meiner Etage am großen Fernseher fern. Meine Nacht früh zu Ende, denn ich dachte voller Unruhe an die bevorstehende Abreise meiner Frau.
Pünktlich nach 6 Uhr hörte ich dann erstmals die Geräusche, die mich von nun an weiter begleiten sollten und die stets kurz vor halb sieben aufhörten. Es ist eine unrhythmische Mischung aus Schlagen, Schurren mit quietschendem Zwischengeräusch und all das ist kaum zu überschlafen. Das Schwesternzimmer, mein Nachbar?
Ich weiß es nicht und kann nur quälend vermuten.
Sonntags ist der Tag in der Klinik, wo es Eier gibt. Wir genießen unser frühstück außerhalb des großen Speisesaals in der Cafeteria mit Blick auf den Garten. Es ist sehr viel Besuch da.
Ich werde keinen mehr haben. Wir gehen noch einmal im Ort spazieren, meine Frau hat ihre Sachen schon gepackt. Wir sehen uns nach Hotels oder Ferienwohnungen um, denn meine Frau überlegt bereits, ob sie mich am letzten Wochenende abholen soll und dann einfach bis zum Dienstag, meinem Abreisetag da bleibt. Das baut mich ein wenig auf, macht mir aber umso schmerzlicher bewusst, dass ich nun nicht mit nach hause fahren kann.
Wir fahren wieder mit dem Bus zum Bahnhof und haben da ziemlich viel Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Meine Frau löst das Abschiedproblem schnell, in dem sie nach dem Einfahren des Zuges schnell in ihm verschwindet. Ich winke ihr nach und einige Jugendliche finden das so lustig, dass sie mir auch zu winken. Ich habe immer noch Zeit bis zur Rückfahrt des Busses und stöbere lustlos und schweren Herzens in der Bahnhofsbuchhandlung herum. Ein Teil von mir ist jetzt auf dem Weg nach hause und ich bin immer noch hier. Sollte woanders ein.
Der Bus ist da, Jugendliche drängeln sich um Plätze, es geht zurück in das Klinikzimmer und ich kann meine Traurigkeit schwer verbergen. Im Ort angekommen, beschließe ich gleich, einen Wanderweg zu gehen, den ich tags zuvor teilweise mit meiner Frau zusammen gelaufen war, obwohl mir das schwer fällt. Das ist eben der Unterschied zwischen der Zweisamkeit und der Einsamkeit, die Welt scheint schwerer auf den Schultern zu lasten, die nun allein sind. Der Himmel ist bedeckt, doch die Natur tröstet mich ein wenig. Ich komme zur Ruhe, fotografiere schöne Plätze, entdecke ein anderes Seeufer und einen Badeplatz, gehe auf eine Mole und warte, bis Schwäne vorbei kommen. Auf dem Rückweg zur Klinik komme ich an der Jägerstube vorbei. Eine rustikale Kneipe, die sehr nach einheimischem Flair aussieht, die aber nachmittags zu hat.

pope am 14.11.08 20:22

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