Essenszeiten

Ich umkurve mühselig eine kleine Baustelle, Lena ist schon vor mir. Da kommt mir ein Radfahrer entgegen und ruft, "Dat jeht aber gar nicht." Er ist schnell und ich langsam und das stört ihn.
Lena dagegen stört das nicht, sie findet es gut, dass wir nicht so schnell fahren. Manchmal fragt sie mich, wo wir hin müssen. Ich verlasse mich auf Dich, meine ich scherzhaft. Du bist schon für Dich selbst zuständig, entgegnet sie mir durchaus ernsthaft. Ich weiß, sage ich und denke mir, was für Menschen wir Männer sind. Kaum fahren wir einer Frau nach, schon geht es uns besser. Irgendwie ist das ja arm. Wir haben die lange Allee hinter uns und ich schlage vor, abzukürzen. Geht ja auch, aber über eine sehr unangenehm gepflasterte Straße. Lena trägt es mit Fassung, während ich mich selbst verfluche und meine Wirbelsäule ihren Protest anmeldet. Lena fragt an der Kreuzung wieder nach. Irgendeine von den Straßen nach rechts rein muss es sein.
Wir sind schließlich da. Lena knipst, will aber nicht fotografiert werden. Eine Menge Spatzen leistet uns Gesellschaft, als wir versuchen, unseren Kuchen zu essen.
Auf dem Rückweg fährt sie dann einfach geradeaus weiter, wo wir rechts müssen. Ich erreiche sie nicht mit meinem Hinweis, sie ist vom Geradeauslauf ihres Rades begeistert. Ich beschließe zu warten, bis sie es merkt, dass ihr nicht folge. Wo ich einmal gefahren bin, das erkenne ich wieder, auch wenn die Streckenführung nicht ganz dieselbe ist. Lena aber behauptet so nachdrücklich, im Recht zu sein, dass ich ihr am liebsten zu stimmen würde. Nur kämen wir dann nicht mehr zur Klinik zurück.

Und das kann Folgen haben. Man muss sich nämlich am Wochenende abmelden. Ist man zum Essen angemeldet und kommt nicht, so wird die Schwester den Patienten suchen. Einige Ausflüge enden also mit ein bisschen Hektik. Vom Essen abmelden und dann da sein, ist die bessere Lösung.


pope am 22.12.08 20:13

Letzte Einträge: Twitter

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL